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    Kunstwerke sind phänomenal,
historisch unwirksam, praktisch folgenlos.
Das ist ihre Größe.

Gottfried Benn, 1925
Ich sehe nicht ein, dass Malen und Denken
einen unüberbrückbaren Gegensatz ergeben sollen.

Jean Hélion, 1939

Es geht mir um die unmerklichen Verschiebungen
zwischen der fotografierten Wirklichkeit
und dem Gefühl der Irrealität dieser Wirklichkeit.

Jacques Monory, 1969

 Jacques Monory
Meurtre n°2, 1968
Öl auf Leinwand, 228 x 195 cm
  


Anlass für einen subjektiven Blick auf einige Kunst-Positionen jener Zeit. Die von der Galerie Eva Poll zusammen mit der Kunststiftung Poll in Berlin konzipierte Ausstellung will die unterschiedlichen Ansätze der Mitte der 60er Jahre in Paris und Berlin agierenden Künstler aufzeigen, deren direkter Zugriff auf die Realität damals wie heute für viele als ein Ärgernis empfunden wird - für Künstler damals wie heute eine überlebens- notwendige Reaktion.

Kunst hat ein Recht auf Gegner und ist, weil sie Kommunikation ist, immer auch eminent politisch. Gleichwohl waren die Künstler vor 40 Jahren nicht Vordenker einer Revolte, sie haben auch die Künste nicht neu erfunden. Aber - und das zeigt auch diese kleine Zusammenstellung - Kunst kann, mit Horst Bredekamp formuliert, weit nach außen wirken, wenn sie radikal bei sich bleibt und sich auch nicht abdrängen lässt weder in Kampfzonen noch in Freiräume.

In Paris waren es vornehmlich Künstler von außerhalb (wie Mailand, Madrid), die nach Stil und inhaltlicher Ausrichtung der Narrativen Figuration nahestanden (wie man in Frankreich, zunächst verharmlosend, den Kritischen Realismus bezeichnete); die Auseinandersetzung mit Marcel Duchamp begann hier, z.B. in der Gemeinschaftsarbeit Aillaud, Arroyo, Recalcati über Leben und Sterbenlassen oder: Das tragische Ende von Marcel Duchamp, als die gesellschaftlichen Spannungen zunahmen und das kulturelle Klima sich zusehends politisierte, dann aber einen gesellschaftskritischen Realismus auf der Grundlage von Pop Art und Fotografie entwickelten. Ähnlich in Berlin, hier aber sehr viel stärker orientiert am Realismus der Zwanziger Jahre (George Grosz oder Otto Dix), am Menschenbild in Trauer und Protest.

Gezeigt werden Arbeiten aus den Jahren 1966 bis 1972 von Gilles Aillaud, Eduardo Arroyo, Ulrich Baehr, Paolo Baratella, Vlassis Caniaris, Rafael Canogar, Equipo Crónica, Erro, Peter Klasen, Jacques Monory, Wolfgang Petrick, Peter Sorge, Wolf Vostell u.a.

 
Maxim Kantor
Leidenschaft, 1991
Lev I. Tabenkin
Drei tote Vögel, 1985
Wladimir N. Lebedew
Sturm auf den Reichstag, 1985
Alexander Kosolapow
Caviar Red, 1991
Natalia L. Paschukova
Erinnerungen an Frauen
des Krieges, 1977
Igor S. Ganikovski
Erwartung, 1984
 


Bernhard Heisig
Geisterbahn, 1995
Wolf Vostell
Duo (Marilyn Monroe), 1968
Peter Sorge
Mehrere Voyeure
(Jahr der Frau), 1975
Renato Guttuso
Bericht aus Vietnam, 1965
Neo Rauch
Der Brand, 1991
Peter Sorge
Gall is sweet, my love, 1964

In den 60er und 70er Jahren bedienten sich Maler und Grafiker des Realismus bestimmter fotografisch geprägter Bildformen und Wahrnehmungsmuster. Dazu gehören der provozierende Umgang mit Fotografie als Argument und der Glaube an die Bildautorität des Fotos. Typisch für die 60er und 70er Jahre ist hierbei die collagenartige Aufteilung der Bildfläche (Simultan- oder Mehrfeldbild), auf der von den Künstlern - und zwar gleichermaßen in West- und Ost-Deutschland - Pressefotografien zitiert wurden.

Mit Unterstützung der Kunststiftung Poll ist es gelungen, ausgehend vom Werk Peter Sorges (1937-2000) auch Hauptwerke von Renato Guttuso, Bernhard Heisig, Robert Rauschenberg, Neo Rauch, Willi Sitte und Wolf Vostell zeigen zu können.

In der Kunststiftung Poll werden parallel Zeitzeugnisse, Bilder und Dokumente zur Arbeit von Peter Sorge ausgestellt, in denen Fotografien von Erhard Wehrmann im Mittelpunkt stehen. Wehrmann hat die künstlerische Arbeit europäischer Bildhauer und Maler zwischen den 50er und 80er Jahren engagiert begleitet.

Zu diesen Ausstellungen erschien im Kerber Verlag, Bielefeld, zugleich als Katalog, ein Almanach unter dem Titel “Gall is sweet, my love! - Pressefotografie und Kritischer Realismus - über die Arbeitsweise des Realisten - Kunst- und Bildgedächtnis der 60er und 70er Jahre” mit einer Ergänzung des Werkverzeichnisses der Radierungen, und Handzeichnungen von Peter Sorge für die Jahre 1979-1998, bearbeitet von Claudia Wasow-Kania, herausgegeben von Lothar C. Poll und Jörg Probst mit Beiträgen von Christiane Gehner, Lucius Grisebach, Paul Huf, Jörg Probst, Astrid Proll und Bernhard Stumpfhaus (136 Seiten, zahlreiche Abbildungen).

Vorzugsausgaben während der Ausstellungen:
1-10: mit Peter Sorges Radierung “Gall is sweet, my love!”, 1964, Preis: 300 Euro (danach 500 Euro)
11-30 mit Peter Sorges Radierung “Schubkastenradierung”, 1974, Preis: 150 Euro (danach 250 Euro)
31-40 mit Ehrhard Wehrmanns Fotografie “Porträt P. S.”, 1984, Preis: 150 Euro (danach 240 Euro)
“Ob das wohl was wird”, 1997 (letzte) Radierung von Peter Sorge, Preis 400 Euro

 




…den Gürtel enger schnallen, 1981 Autowracks auf Halde, 1962 Zu Weihnachten, 1984

1990 fand post mortem eine große Duwe-Ausstellung in der Galerie Poll statt, bei der Malerei aus seiner gesamten Schaffensperiode (1948-1984) gezeigt wurde und die alle Aspekte seiner Arbeit berücksichtigte.

Die aktuelle Ausstellung unter dem Titel „Menschenbilder” konzentriert sich auf die Jahre 1962 bis 1984. Fokussiert wird auf die drei Arbeitsschwerpunkte Duwes, wie bereits Werner Hofmann sie in einem Katalog der Kieler Kunsthalle (1987) gliedert:

Erstens kristallisiert sich das in verschiedenen Variationen ausgeführte Motiv der Gewalttätigkeit heraus, indem Duwe parabelhaft die Dualität von Opfer und Täter oder die Sozialisation milieubedingter Verhältnisse darstellt. Ein evidentes Beispiel ist das Bild „Schwimmer” (Badeleichen) von 1967/70, auf dem wir, sehr krass, nach einem Gerangel Ertrunkene erkennen.

Als weiterer Aspekt wird die Gruppe der Kinderbilder hervorgehoben, aus denen die jungen Menschen im Räderwerk des Alltags und ihrer sozialen Umgebung gleichsam als Dulder und Betrogene, aber auch als spätere Täter hervorgehen. Hierbei wird die bürgerliche Kinderstube der bundesrepublikanischen Gesellschaft einer feinsinnigen Kritik unterzogen. Das Bild „Ulrikes Kindheit” von 1967/71 zeigt in einer vielschichtigen Tristesse den schmählichen Spiel- und Lebensraum des heranwachsenden Mädchens.

Hinzu tritt ein dritter Themenkomplex: die Dokumentation der bürgerlichen Freizeitwelt in ihrer Trivialität und Beschränktheit, in dem Duwe das Verhältnis des Menschen zu Technik und Natur in eine überspitzte Darstellungsweise transponiert.

Duwe überlagert allerdings in seiner Malerei diese drei Themenfelder häufig. Gleichberechtigt rangieren seine konkreten Kommentare und Botschaften in Bildern zu gesellschaftlichen Mißständen, wie Existenznot, Konsumrausch sowie sein politisches Engagement gegen Kriegsgreuel, Industriewachstum und Umweltzerstörung. Der heutige Betrachter erkennt, daß dieses Werk an seiner Aktualität wenig eingebüßt hat, wie z.B. die vor zwanzig Jahren entstandene „Große USA-Allegorie” (1983/84) bezeugt.




Alte Frau NY, 1983 Junge Frau im Plastikboot, 1970

 

In der Gegenüberstellung dieser beiden unterschiedlichen künstlerischen Auffassungen kommt es zu spannungsreichen Wechsel¬spielen. So stehen bei Kessler die Geschwindigkeit und Dynamik, die unseren Alltag bestimmen; im Vordergrund, während Wendels Bilder eher den Eindruck von Filmstills vermitteln.


Wolfgang Kessler
(*1962 in Hannover) hat während seines einjährigen Stipendiums bis April diesen Jahres in der Villa Condordia in Bamberg intensiv an der Weiterentwicklung seiner Werkreihe “Zwischen¬räume” gearbeitet. Als “Zwischenräume” bezeichnet Kessler seine Bilder, auf denen u.a. urbane Randzonen, Container auf Abstellgleisen und vorbeifahrende Züge aus der distanzierten Betrachtung eines Bahnfahrers zu sehen sind. Dabei suggeriert er mit seiner Malweise die Bewegungsunschärfe des Betrachters. Kessler konfrontiert uns mit der von der allseits gegen-wärtigen Fotografie beeinflussten Wahrnehmung und weist gleichzeitig mit einem weißen Streifen am unteren Bildrand auf die zweidimensionale Lösung des Tafelbildes. Die distanzierte Betrachtung durch das Zugfenster und die vorbei¬ziehende Landschaft führen zur Abstraktion. Lösten sich in seinen frühen Zwischenräumen die Dinge in ineinanderfließende Farbflächen und Linien auf, so findet man in den neuen Werken einzelne klar umrissene, farbig herausgehobene geometrische Formen.




Zwischenraum (Dispo), 2002 Zwischenraum (Reflektor), 2003 Zwischenraum (Matrix), 2002





Heimleuchte III, 2002 Flämisch II, 2002 Moskau, 2001

Franziskus Wendels
(*1960 in Daun) setzt seine kontinuierliche Beschäftigung mit den künstlichen Lichtquellen der nächtlichen Großstadtansichten fort. Vor allem seit seinem Atelier-Stipendium in Schloß Wiepersdorf 2001 und während seines anschließenden Aufenthaltes in der Villa Romana, Florenz entstanden die ersten Arbeiten seiner Serie Lichtzeit, die nahtlos an die vorherigen Lichtungen anschließt. Früher waren es die nächtlichen Großstadtplätze und Straßen, die vermeintlich von Leuchtschriften und Autoscheinwerfern beleuchtet wurden. In der Folge focussierte er einzelne erhellte Fenster¬ansichten und Häuserfassaden, deren Lichtquelle im Inneren zu suchen war. In der ak¬tu¬ellen Fortsetzung verstärkt sich der Eindruck von Immaterialität durch den Einsatz ver¬schwommener Konturen. Diese “Indirektheit” ist es auch, die den Künstler interessiert, der seine Bilder als “Metaphern ohne Heimat” versteht.

 

Marine, 2000 Martinique, 1992 Stilleben mit Gipsmodell, 1996

Schon 1964 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Selbsthilfegruppe Großgörschen, und somit zu den Künstlern, die mit der Galerie von Beginn an eng verbunden sind.

Begonnen mit den sogenannten “Verletzungen” und “Sprengungen” der 60er und 70er Jahre ist das umfangreiche Werk des 1941 in München geborenen Künstlers durch eine Reihe von Brüchen und künstlerischen Neuanfängen gekennzeichnet. Sich keinem Stil unterordnen, gehörte zu Wintersbergers Prämissen. Mit der aktuellen Ausstellung „Back in Berlin” zeigen wir einen Ausschnitt aus verschie-denen Werkphasen, die zwischen 1992 und 2003 entstanden sind.

Landschaften, Akte und Selbstporträts wurden zur Grundlage vieler expressiv gestalteter Bilder. Längere Reisen nach Martinique und Hawaii führten zu Bilderzyklen mit melancholischen und zum Teil animistisch anmutenden Landschaftsmetamorphosen. Mischwesen, Masken und Landschaften zeugen von Wintersbergers gelungener Kombination von Naturanschauung und Imagination.

Andere Zyklen zeigen in großer Variationsbreite die Maginotlinie (1996) oder jüngeren Datums das Matterhorn (2002). Andere widmen sich vorwiegend einer bestimmten Farbe, wie z.B. Blau oder die Serie „Bleu-blanc-rouge”, den französischen Nationalfarben.


Landschaft, 2001 Linie-Maginot, 1996

 

Sophia Schama (*1966 Sofia) studierte an der HfBK Dresden und ist Meisterschülerin von Ralf Kerbach. Ihre Malerei reicht von "Technoiden Landschaften", in denen ein Fensterausschnitt den Blick auf skurile Röhrendickichte freigibt, bis hin zu großformatigen Bildern, den "Naturwundern", deren Pflanzenwelt an Gewächshäuser im Botanischen Garten erinnert.
"Nicht zufällig spielen viele Titel der Werke an auf den Bereich des Gartens, "Planze", "Naturwunder"," Baum", "Tanne", dem Ort und Instrument, wo und durch den die sortierende und ordnende Kraft des Menschen wieder die Chance hat, Kultur zu bilden." (Ulrich Bischoff)


Markus Weis (*1965 Koblenz) absolvierte sein Studium an der Kunstakademie Arnheim. In seinen Bildern markieren Objekte wie Stühle und Tische, auf denen sich abgelegte Kleidung und drapierte edle Stoffe befinden, einen Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Seine neuesten Werke greifen die Stoffe als Vorhang auf, die den Blick durch ein unsichtbares Fenster nach draussen begrenzen.


Zuerst an der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Micha Ullmann später dann bei Lothar Fischer und Rebecca Horn an der UdK Berlin studierte Friedemann Grieshaber (*1968 Ravensburg) Bildhauerei. Seine plastischen Modelle bedienen sich architektonischen Formenvokabulars. Aber entgegen aller architektonischen Gesetze strahlen seine gestauchten und mit Brüchen versehenen Betonskulpturen einen eigenen ästhetisch sinnlichen Reiz aus.

 

Entgegen der mulitmedialen Schnellebigkeit und Bilderflut arbeitet die Künstlerin in einem zeitlich aufwendigen konzentrierten Verfahren, durch das die Zeichnungen in ihrer Komplexität zu hoher Intensität gelangen.

Basierend auf der theoretischen Auseinandersetzung mit bildnerischen Ordnungsprinzipien der Kunstgeschichte wie z.B. dem Goldenen Schnitt oder dem Kubismus, entwickelt AltSchäfer ein eigenes System, in das sich die Diagonalen, Kreise und Linien einfügen. Ihre Stilleben stehen in der Tradtion der Stillebenmalerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In dem ausbalancierten Koordinatensystem erkennt man Tische und anderes Interieur zusammen mit Gegenständen wie Schalen, Obst oder floralen Erscheinungen, die in verschiedenen Ansichten jeder Schwerkraft trotzen. Wie ein gewebter Bildteppich fügt sich alles zu einem Ganzen.

 

 

Volker Stelzmann, Selbst mit Staffelei

 

 Selbstbildnis mit Staffelei, 2000  Große Konspiration, 2004

Bestimmte Charaktere tauchen in abgewandelten Formen immer wieder auf und spielen die zugewiesenen Rollen in seinem Welttheater. Aufwändige Kostümierung von exaltiertem Kopfputz über Nietengürtel bis zum Hackenschuh und ein stetiger Hauch von Lasterhaftigkeit sind kennzeichnend für seine Straßen- und Aufzugsbilder. In den altmeisterlich gemalten Werken, die christliche Thematiken behandeln, herrscht eine getragenere Bildsprache: gebeugte Haltung, ärmliche Kleidung und fahler Teint vermitteln Demut und Kontemplation.

In der „Großen Konspiration” (2004), trifft Stelzmann mit berühmten Meistern der Kunstgeschichte zusammen - seinen geistigen Vätern und Kollegen. Stelzmann sitzt an einer Tafel mit Grünewald, Michelangelo, Dix, DeChirico, Lorenzo Lotto, Rosso Fiorentino, Pontormo, El Greco und Francisco de Zurbarán und seiner Frau Henriette. Es sind seine stetigen Begleiter und Inspiratoren, mit denen er sich geistig und malerisch sinnbildlich immer wieder auseinandersetzte. Es existieren mehrere Vorgängervarianten zu diesem Bildthema.


 Volker Stelzmann, Großer Aufzug, Tafel 1  

Volker Stelzmann, Großer Aufzug, Tafel 2

 Volker Stelzmann, Großer Aufzug, Tafel 3
 Großer Aufzug (Triptychon), 2002


Volker Stelzmann, u.a. letztes Jahr auch in der Neuen Nationalgalerie bei der Ausstellung „Kunst in der DDR” vertreten, wurde 1940 in Dresden geboren, nahm sein Studium an der HfBuG in Leipzig auf und avancierte zum Hauptvertreter der sogenannten „Leipziger Schule”. Trotz seines hohen Ansehens in der ehemaligen DDR - seit 1982 hatte er eine Professur an der Hochschule in Leipzig - kehrte Stelzmann nach einer Ausstellung in West-Berlin nicht zurück und lebt seither in dieser Stadt, wo er 1988 als Professor an die Hochschule der Künste (jetzt UdK) berufen wurde und bis heute dort seine Lehrtätigkeit ausübt.

 
Schang Hutter, Nicht arbeiten können Schang Hutter, Zwei figuren Rücken an Rücken
Nicht arbeiten können, 1982 Zwei Figuren,
Rücken an Rücken, 1981
Schang Hutter, Gene Krupa Schang Hutter, Mehrere Köpfe
Gene Krupa, 1981 Mehrere Köpfe, 1981
 




AR, 1972 3, 1991 e-s, 1974




etru, 6, 1984 Sternzeichen II, 1966 a-ram, 1984


Zur Ausstellung erscheint die von Lothar C. Poll herausgegebene Monografie, “Prinzip Collage” mit Beiträgen von Karlheinz Lüdeking, Pierre Restany, Lothar Romain, Eberhard Roters und John Anthony Thwaites.

Kaufmanns künstlerischer Werdegang begann 1946 in Düsseldorf, wo er an der dortigen Staatlichen Kunstakademie studierte, zuerst mit dem Schwerpunkt Malerei. Nach Beendigung des Studiums schloß er sich 1953 der legendären Künstlergemeinschaft „Gruppe 53″ an, der auch Künstler wie Heinz Mack und Otto Piene angehörten und deren Vorsitzender Kaufmann 1957-1960 war.

Ab 1960 beschäftigte Kaufmann sich mit der neuen Werbe- und Medienwelt in Zeitungen und Glanzzeitschriften. Aus Schnipseln und Papierfetzen entstanden erste Zeitungscollagen. Eine Steigerung ergab sich Mitte der 60er Jahre; in seinen berühmten Litfaßsäulen verband sich das Prinzip Collage mit Objektkunst. Ende der 60er kamen weitere Werkstoffe wie Negativfilme in der Collagengestaltung hinzu.

Eine Interimsphase in den frühen 70er Jahren führte Kaufmann noch einmal zur Malerei. Er malte Acrylbilder, die Collagen vortäuschen. Diese Phase blieb kurz: 1977 kehrte er zur reinen Collagentechnik zurück. Während dieser ganzen Zeit (von 1967 bis 1990, dem Ende seiner Lehrtätigkeit,) war er Professor an der Hochschule der Künste, Berlin.

In seinem Spätwerk in den 80er und 90er Jahren waren Collagen weiter das wichtigste Medium. Jedoch rückte er in der Ausführung von thematischen Darstellungen ab, vielmehr wurde ein eher haptischer Umgang mit Materialien wie Packpapier, Wellpappe und anderen unbedruckten, neutralen Werkstoffen wichtig. Aus diesen “Rohstoffen” entstanden gestalterisch reife monochrome, plastisch reliefartig geformte Arbeiten, seine sogenannten “geschlossenen Bilder”.

Kaufmann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Anlässlich seines 75. Geburtstages hat Herbert Kaufmann 1999 der Kunststiftung Poll ein Konvolut wichtiger in Berlin entstandener Arbeiten (Bilder und Säulen aus den Jahren 1968 - 1985) übereignet, die jetzt parallel in der Galerie der Kunststiftung (Gipsstraße 3 in Mitte) gezeigt werden.








 




Liv Tyler, 2004 Frame 5, 2002 Kate Moss, 2004


Ab dem 3.9.04 zeigt die Galerie Eva Poll Bilder des lettischen Künstler Ritums Ivanovs. Sie ist damit Teil des großen Projektes, denn in weiteren neun Berliner Galerien wird jeweils ein, zuvor von einer gemeinsamen Jury ausgewählter, Künstler dieser Länder präsentiert. Nach der Auftaktveranstaltung um 17 Uhr in der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Podiumsdiskussion zum Thema „Nationale Charakteristika des Kunstmarktes in der EU” begibt sich ein Kreisshuttle im Laufe des Abends zu den 10 Galerien. Die Eröffnung in der Galerie Poll findet um 20 Uhr statt.





David, 2001 Heat, 2004 Martin, 2001


Ritums Ivanovs (geb. 1968 in Cesis / Lettland) konzentriert sich in seiner Malerei auf das Abbilden von, häufig weiblichen, Gesichtern aus der Mode- ,Star- und Erotik-Welt, aber auch schablonisierte zeitgenössische Schönheitsideale der bunten Werbewelt, wie z.B. das Bild „Hitze”, das einen Zustand voller erotischer Anspielungen darstellt. Gemeinsam ist den meist in einer einzigen Farbe mit changierenden Tönen gemalten Bildern die optische Verfälschung, die als Brechung des Lichts oder in gleichförmigen Streifenmustern zur Ausführung kommt. Ivanovs hat nach seinem Abschluß an der Lettischen Kunstakademie 1994-95 auch an der Humboldt University, California, USA Malerei studiert und 1996 in Riga den Master of Arts erlangt. Er gehört in Lettland zu den hoffnungsvollen jungen Künstlern und hat sich auch international schon einen Namen gemacht.

 


Täglich können sich die Besucher unter einem Listros-Pavillon die Schuhe putzen lassen. Durch das großzügige Sponsoring des Rotary Club Leipzig-Brühl hat der Listros-Projekt e. V. einen Entwurf von Prof. Yadegar Asisi für vier Schuhputzer Arbeitsplätze realisieren können u.a. eine vier Meter hohe Schuhputzersäule. In Äthiopien stehen bereits einige Arbeitsplätze nach dem Entwurf von S+K Architekten aus Berlin.

“Listros” werden in Äthiopien die Schuhputzer und ihre Schuhputzerbox genannt. Vor allem Kinder und Jugendliche gehen dieser Arbeit nach, um sich das Geld für Schulutensilien zu verdienen, ein späteres Studium zu finanzieren oder den Familienhaushalt zu unterstützen. Sie verbringen viel Zeit auf den Straßen, sind immer auf der Suche nach Kunden und tragen ihre Existenzgrundlage unter dem Arm. Sie genießen kein besonders hohes Ansehen und verdienen wenig Geld für ihre Leistungen. Nur wer genauer hinsieht, erkennt ihre Größe. Die Listros sind selbständig, haben sich eine Lebensgrundlage geschaffen und erarbeiten sich täglich neue Perspektiven für die Zukunft.


 


Das neue Film-Fotografie-Projekt von Jacobo Borges „ROOM OF MEMORY” ist geprägt vom Großstadterlebnis der Einsamkeit und Anonymität. Der Künstler hat sich in der Metropole New York über einen längeren Zeitraum mit der Kamera einem beispielhaften, scheinbar zufällig gewählten Ort zugewandt. Es könnte der Hinterausgang eines Betriebes sein, eine Plattform mit anschließender Treppe. Diese bildet das Forum und den Raum für alltägliche Momente - flüchtige Begegnungen von Menschen, zufälliges Zusammentreffen, Smalltalk. Der Beispiel-Raum steht für Großstadt schlechthin und ist austauschbar und verlegbar. Entstanden ist ein Film, der die Momente des Alltags festhält und einen Eindruck der Leere und Isolation vermittelt. Die daraus entnommenen Stills, die losgelöst ihre eigene Ästhetik vermitteln, werden in der Galerie Eva Poll in Großformaten als rasterförmig zusammengesetzte C-Prints präsentiert.

Zeitgleich zeigt die Kunststiftung Poll unter dem Titel „CHRYSLER - TIME PASSES” Fotografien des Chrysler-Buildings in New York von Borges. Die Aufnahmen sind im Wandel der Jahreszeiten entstanden und setzen das berühmte Gebäude in verschiedene Lichtszenarien. Der Reiz des Gebäudes, beleuchtet an einem grauen Wintertag, kann ebenso bestechen wie ein Abbild in strahlender Frühlingssonne. Der wache Blick des Fotografen hat ausgesprochen stimmungsvolle, schöne New-York-Bilder hervorgebracht.

 

Seestücke, 2004

Susanne Knaack, Jahrgang 1962 (Berlin), bekannt durch Ausstellungen und Messeauftritt der Kunststiftung Poll, studierte 1982-85 Kunstgeschichte und Germanistik an der Freien Universität zu Berlin und anschließend bis 1989 Malerei bei Georg Baselitz an der Berliner Hochschule der Künste. 1984-86 war sie Mitglied der Künstlergruppe „Gras Fressen” und stellte mehrmals in der gleichnamigen Selbsthilfegalerie aus. Seit 1989 arbeitet sie zusammen mit H.H. Zwanzig im gemeinsamen Atelier.

Ihre inzwischen schon berühmten „Seestücke” sind jeweils ausschnitthafte Momentaufnahmen des ruhigen oder wogenden Meeres oder von Strandabschnitten, die sie in eine Malerei mit lebhaftem Pinselstrich in verschiedenen Grauwerten umsetzt. Diese kleinformatigen Bilder kombiniert die Künstlerin bei jeder Hängung polyptichonhaft zu einer neuen Ordnung, so daß für den Betrachter der Eindruck einer neugeschöpften Landschaft entsteht. In der Ausstellung sind zugleich großformatige Bilder mit Meeresmotiven zu sehen.


Wald I, 1995 Wald II, 1995 Wald IV, 1996

Seung-Kyu Cho, Jahrgang 1960 (Seoul), studierte 1981-88 Malerei an der Hochschule In-Cheon in Korea, danach bis 1991 an der Facultad de Bellas Artes in Barcelona und seit 1991 an der Hochschule der Künste in Braunschweig. 1994-95 war er Meisterschüler bei Professor Norbert Tadeusz. Der Künstler erhielt bereits mehrere Kunstpreise und Stipendien.

In seiner Serie von „Wald”-Bildern tritt die Darstellung des Motivs in den Hintergrund. Die gesamte Bildfläche wird beherrscht durch Struktur, die sich freilich aus dicht nebeneinander stehenden Baumstämmen und Blattwerk zusammensetzt. Der Betrachter wird durch das Andeuten von Unendlichkeit in die Tiefe gezogen. Seung-Kyu Cho setzt in jedem seiner Bilder farblich unterschiedliche Akzente.
Gleichzeitig werden die neuesten Bilder des Künstlers mit dem Thema Bibliothek und Bücher gezeigt.




 
Rummelplatz, 1997 Im Stadtpark, 1996 Der Alte erzählt, 1997
Enten auf See, 1999 Fontane mit Kellner, 1996 Frau mit Hund auf
der Treppe, 1997
 

 
 
 
 Hard-Edge-Blues, 1996  Intercity, 1987  Sister Sadie, 1997

Peter Benkert gehörte (zusammen mit Hans-Jürgen Diehl, K.H. Hödicke, Markus Lüpertz, Peter Sorge u.a.) dem Umkreis der selbst organisierten Ausstellungsgemeinschaft „Großgörschen 35″ an, die sich 1964 gegründet hatte und die von den Polls 1968 in einem neuen Galerieprojekt aufgegriffen und weitergeführt wurde. Unter den „Großgörschenern” zählt Benkert zu dem Kreis, der die sichtbare Welt in irreale Räume abwandelt, verfremdet und auf verschiedenen Ebenen wieder zusammenführt. Die Polls hatten ihn zuletzt 1969 in ihrer Charlottenburger Galerie ausgestellt.

Angefangen mit den sogenannten hochragenden „Luschen”, die in ihrer Aneinanderreihung eine außerordentlich farbliche Vielfalt enthüllen, findet sein Werk Fortsetzung in den sorgfältig konstruierten Farbreihen-Bildern. Hier dominiert eine minimale Komposition aus Farbe und Form.

Erst in den Raum- und Fantasiestücken beginnt Benkert, Kreise, Diagonalen und Rechtecke im Raum schweben zu lassen und damit die Bildebene aufzulösen. Zugleich ist das Verhältnis zwischen Darstellungsebene und geometrischen Figuren durch ineinander-greifende Formen bewußt verunklart, und der Betrachter begegnet einer optischen Dynamik.

In seiner Entwicklung „vom Luschendandy zum Hard-Edge-Virtuosen” ist sich Benkert jedoch in seiner formalen Strenge und intensiven Farbigkeit bis heute treu geblieben.


 


 


 


        

 

Arno Mohr, Brecht und Eisler, 1996 Hermann Albert, Bauer in
Schneelandschaft, 1976
G.L. Gabriel, Glienicker Brücke, 1992




Hans Scheib,
Am Wickel, 1987
Sabina Grzimek,
Lehrerin, 1968/73
Waldemar Grzimek,
Stehender Knabe, 1950

Gezeigt werden in dieser Gruppenausstellung Bilder von Hermann Albert, G.L. Gabriel, Wolfgang Kessler, Sophia Schama und Franziskus Wendels, Arbeiten des Künstlerduos Kubiak & Rauch sowie Lithografien und Radierungen von Arno Mohr und Peter Sorge. Darüber hinaus werden in den großen Sälen Skulpturen von Sabina Grzimek, Waldemar Grzimek und Hans Scheib zu sehen sein.

So bietet der “Wintersalon” dem kunstinteressierten Besucher eine Entdeckungsreise durch die verschiedenen Facetten unserer Galerie. Es wird ein Einblick in die vielfältigen Spielarten der figurativen Kunst und deren schöpferischen Variantenreichtum geboten.

 

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